Die Berichte über die Ausbildungsmaßnahmen libyscher Sicherheitskräfte durch deutsche Beamte werden immer verworrener. Während Verteidigungsminister Franz Josef Jung wie immer von nichts etwas gewußt haben will, und linientreue Konzernmedien eine Nebelkerze nach der anderen werfen, um den Steuerzahler mit allen Mitteln in seiner Verdummungsstarre zu fixieren, wollen wir ein paar Ereignisse rund um Libyen einmal etwas näher beleuchten.
Im September 2003 endete das 18jährige Embargo gegen Libyen und seinen als ehemals als Terroristen verschrienen Staatschef Muammar al-Gaddafi. Unvergessen seine Beteiligung an den unterhaltsamen und kurzweiligen Ereignissen in Lockerbie, für die Libyen, schuldig oder nicht, die Verantwortung übernahm. Kurz nach Ende des Embargos, im März 2004 schlug auch schon der britische Premierminister Tony Blair in Tripolis auf um dem neuen Freund und nun Mitglied der Achse des Guten, einen kleinen Freundschaftsbesuch abzustatten. Weil man sich auf Anhieb so gut verstand, ließ sich ein Großauftrag in Höhe von 165 Millionen Euro für Shell, sowie künftige Waffenlieferungen durch den britischen Rüstungsriesen BAE (Britisch Aerospace) kaum umgehen. Mehr oder weniger schweren Herzens reiste Blair mit den lukrativen Verträgen wieder zurück auf die Insel. Der Deal war kein Geheimnis.
Seinem britischen Freund gleich tun wollte es Gerhard Schröder. Schröder ergatterte bei seinem Gaddafi-Besuch im Oktober 2004 u.a. einen 180-Millionen-Deal für Siemens zwecks “Modernisierung” der Öl- und Gasförderung. Zusätzlich wurde eine Ölbohrung der BASF-Tochterfirma Wintershall in der libyschen Wüste in Betrieb genommen. Auch dies kein Geheimnis.
Parallel hatte der italienische Vorzeigepolitiker und lupenreine Demokrat Silvio Berlusconi bereits eine eigene feste Fluglinie nach Tripolis eingerichtet, denn er war zu diesem Zeitpunkt schon 4 Mal in Tripolis, um zu schnappen, was man kriegen konnte.
Auch Frankreich ließ sich nicht lumpen dem neuen Kumpel eine Freundschaft praktisch hinterher zu tragen. Frankreichs “Staatsoberhaupt” Jacques Chirac folgte also im November 2004. Mit in der Delegation des smarten Franzosen die Chefs von GDF (Erdgas), Total (Ölförderung und Verarbeitung), Alcatel und Thales (u.a. Elektronik). Frankreichs jetziger Präsident Nicolas Sarkozy setzt die intensve Freundschaft traditionell fort.
Zum Dank für die lukrativen Verträge sowie die libysche Bereitschaft, afrikanische Schmuddelkinder zukünftig von europäischen Grenzzäunen fern zu halten, hat Europa dann für Libyen einen überdimensionalen Selbstbedienungsladen für militärisches Handwerkszeug eröffnet.
Der libysche Staatspräsident ist sicher vieles. Dumm ist er sicher nicht. So entwickelte Libyen starkes Interesse an Nachtsichtgeräten (natürlich nur zur ausschließlichen Grenzsicherung, also zu unsrem Schutz) so wie Radar- und Satellitenanlagen samt dazu gehörigen Satelliten. Außerdem interessierte Herr Gaddafi sich für den französischen Kampfhubschrauber „Tigre“ und in Europa brachen Debatten darüber aus, ob man Herrn Gaddafi nun eher mit dem „Eurofighter“ ausrüstet oder ob man ihm das französische Kampfflugzeug „Rafale“ lieber zukommen lassen wolle.
Die Frage war deshalb von Bedeutung, weil „Rafale“ ein Produkt des französischen Dassault-Konzerns ist, dessen Chef ist zugleich ein persönlicher Freund Jacques Chiracs war und der ganz zufällig noch ein Drittel des französischen Printmedienmarktes beherrschte. Da ging es nicht zuletzt auch um die öffentliche Manipulation Meinungsmache.
All diese Bemühungen, Libyen ins Boot der westlichen Wirtschaftsinteressen zu holen, waren kein Geheimnis. Allerdings fanden sie in den Medien keine oder nur sehr geringe Beachtung. Was man dagegen lieber geheim gehalten hätte, ist der angerstrebte Militärpakt zwischen Frankreich und Libyen. Der wiederum wurde aber ausgerechnet bekannt. Die französische Zeitung “Le Canard enchainé” berichtete im August 2007 über einen geheimen Militärpakt von Gaddafi mit dem Elysée-Palast. Demnach erhielt Libyen wohl ganz nebenbei Militärfahrzeuge, Schiffe und wie schon erwähnt, Kampfflugzeuge, Radar- und Satellitenanlagen und was man sonst noch alles braucht, um eine schlagkräftige Armee aufzubauen, um die europäischen Interessen in Nordafrika zu vertreten. Um das Ganze abzurunden, vereinbarte man noch gemeinsame Manöver und nicht zuletzt den Austausch von Experten und entsprechendem Know How, ohne das die tollsten Waffensysteme schlicht wertlos sind.
Auch für die Lösung kurzfristiger logistischer Probleme in afrikanischen Bürgerkriegen bietet sich Libyen geradezu an. So konnte Frankreich innerhalb kürzester Zeit über 16 Tonnen Munition für sowjetische T 55-Panzer in den Tschad liefern. Zwar hatte Frankreichs Aussenminister Bernard Kouchner zuerst die Lieferung bestritten, dann später die Lieferung jedoch zugegeben.
Ein Sprecher des Außenministeriums von Frankreich erklärte es nur etwas diplomatischer, man habe eben dem Tschad geholfen, Munition von anderen Ländern zu bekommen. Er benannte Libyen. Es gäbe aber noch andere. Die nannte der Sprecher Kouchners jedoch wohlweißlich nicht. Auch blieb “unklar”, ob diese Munition bereits vor dem Ausbruch des Putsches in den Tschad gelangt war.
Laut der französischen Zeitung “La Croix” war sie zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Kämpfe in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena am 1.Februar bereits in den Tschad geliefert worden. T-55 Panzer waren u.a. von den NVA-Streitkräften der DDR genutzt worden. Spezialeinheiten Frankreichs waren Wochen vor dem Putsch bereits im Tschad im Einsatz gewesen.
Womit wir zur EUFOR kommen. Die europäische Einsatztruppe ist derzeit im Tschad, der Zentralafrikanische Republik, Nigeria, Kamerun und Libyen im Einsatz. 2003 gegründet, ist die EUFOR so etwas wie die politische Feuerwehr, wenn es im großeuropäischen Reich und seinem Nachbarn Afrika brennt und das Feuer mit diplomatischen Mitteln nicht mehr auszutreten ist. Selbstverständlich ist die einzige Aufgabe der EUFOR unsere Freiheit zu verteidigen. Doch die Aufgabenstellung erklärt sich bei Einsätzen wie dem in der Zentralafrikanischen Republik natürlich von selbst. Wir alle fühlen uns durch die politischen Verhältnisse in Afrika schließlich bedroht.
Das im Zuge dieser intensiven politischen, militärischen und wirtschaftlichen Verknüpfungen Europas mit Libyen auch Ausbildungsmaßnahmen für Sicherheitskräfte gehören, erschließt sich dem geneigten Leser hoffentlich nun schon von selbst. Nachdem Verteidigungsminister Jung noch vorgestern in Bukarest kreidebleich und stotternd behauptet hatte, erst im “ersten Halbjahr 2006″ von der Ausbildung libyschen Militärs durch deutsche Soldaten und Polizisten erfahren zu haben, stellte sich gestern heraus, daß der Leibwächter des höchsten deutschen Bundeswehroffiziers, Generalinspekteur Schneiderhan, bereits 2005 die netten Leibwächter von Herrn Gaddafi höchstpersönlich trainierte. Auch hatte das Verteidigungsministerium noch am 4.4.2008 behauptet, es gäbe weder eine “militärische- noch eine “polizeiliche Zusammenarbeit “ mit Libyen.
Nun ergeben sich zwei Möglichkeiten. Entweder unsere Politiker sind tatsächlich so dumm wie wir es ihnen unterstellen, daß sie als größter Beitragszahler der EU nichts vom lukrativen politischen Weltgeschehen in Europa mitbekommen, oder man hat uns wie so oft schon, wieder mal belogen. Suchen sie sich was aus... [Via Radio Utopie]